Delta ADS wird 50 Jahre

Die Software-Entwicklung blickt in die Zukunft, aber manchmal ist es gut, sich umzudrehen und zurückzublicken.
Dabei stellten wir fest, dass die Grundlagen unserer Produkte vor fast einem halben Jahrhundert entstanden sind.
Delta ADS - Rückblick
In diesem Jahr, 2026, feiern wir 50 Jahre Delta ADS. In den Newslettern dieses Jahres werden wir auf die Geschichte von Delta ADS zurückblicken und über die Besonderheiten nachdenken, die zu seinem langjährigen Erfolg beigetragen haben.
Vor einem halben Jahrhundert war das Programmieren eines Computers für die meisten Menschen eine besondere Art von Zauberei. Es war zudem ein individueller und sehr kreativer Prozess mit Stift, Papier und Lochkarten. Komplexe Programme zum Laufen zu bringen, war ein schwieriger und zeitaufwändiger Prozess und mit erheblichen Kosten verbunden, die es nicht zuließen, den Compiler zur Fehlersuche einzusetzen.
Der Einsatz von Terminals zum Schreiben von Programmen war eine große Verbesserung im Entwicklungsprozess. Er bot einen besseren Überblick über die Programmlogik, ohne dass man zuerst kompilieren und einen Ausdruck erstellen musste. Dieser Überblick war natürlich durch die maximale Anzahl von 24 Zeilen begrenzt, die ein Terminal gleichzeitig anzeigen konnte. Dies reichte für komplexe Entscheidungen nicht aus, was zur Entwicklung der ersten Tools zur Unterstützung der Programmierung führte. Obwohl solche Tools für viele Programmiersprachen verfügbar waren, lag der Schwerpunkt dieser Tools im Bereich der am weitesten verbreiteten Programmiersprache für Geschäftsanwendungen: COBOL.
1971: Die erste Idee
Im Jahr 1971 veröffentlichte Dr. Reinhold Thurner von der Universität Zürich einen Beitrag1 über den Einsatz von Entscheidungstabellen in der Softwareentwicklung, was zur Entwicklung von DETAB/GT (Decision Tables/Generator) führte, das den Programmcode auf der Grundlage einer übergeordneten Definitionssprache generierte. Bis 1976 erreichte DETAB/GT 100 Installationen; die gleiche Anzahl an Installationen wurde auch von seinem Konkurrenten VORELLE erreicht.2
Die Generierung einer komplexen Entscheidungsstruktur für COBOL-Programme war eine große Hilfe, insbesondere wenn man bedenkt, dass COBOL-Anweisungen damals mit einem einzigen Punkt beendet wurden und komplexe Entscheidungen leicht mehr als 24 Zeilen Code umfassen konnten. Es zeigte sich auch, dass effektive Programmierung mehr erforderte. Ein wichtiger Schritt lag nicht in der Verwendung von Werkzeugen, sondern in der Art und Weise, wie Programme strukturiert wurden. In einer Umgebung, die von Kartenlesern, Bändern und Berichtsdruckern dominiert war (Festplatten waren teuer und hatten nur begrenzte Kapazität), hing jedes Programm von der Struktur der Ein- und Ausgabedaten ab. Die Tatsache, dass alle Programmierer ihren persönlichen Stil und ihre Kreativität einsetzten, machte die Wartung dieser Programme nicht einfach. Es bedurfte einer gewissen Handwerkskunst und bewährter Verfahren. Dies führte zu einer Reihe von Initiativen zur strukturierten Programmierung. Am weitesten verbreitet war die von Michael Jackson 1975 veröffentlichte Jackson Structured Programming (JSP).3
Gleichzeitig führte Dr. Thurner ein Generatorsystem ein, das auf den Prinzipien der strukturierten Programmierung basierte und einen Großteil des benötigten Codes erzeugen konnte. Es nutzte eine abstrakte Beschreibung der Datenstruktur in einer eigens für diese Aufgabe definierten Sprache. Das Produkt hieß DELTA4. Es löste das Problem, mit dem sich Dijkstra 1968 befasst hatte. Der Programmierer musste keine GO TO-Anweisungen programmieren und pflegen, sondern der Generator erzeugte diese für das ausführbare Programm.5
Im Laufe der Jahre wurde Delta (heute Delta ADS genannt) um eine Reihe von Standardgeneratoren für Standardfunktionalitäten in der Wirtschaftsinformatik erweitert. PSD (Program Schema Description) und GRU (Control Break Processing) halfen Programmierern, den Überblick über ihre Programme zu behalten und sich auf die spezifischen Funktionen zu konzentrieren, die sie implementieren mussten, ohne sich um die dafür erforderlichen Mechanismen kümmern zu müssen.
Plattformunabhängigkeit - Dank Generatoren
Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung von Delta ADS war das Konzept der Plattformunabhängigkeit durch den Einsatz von Generatoren und Makros. Früher wies jeder Mainframe-Compiler eigene Abweichungen vom COBOL-Standard auf. Ein für Plattform A geschriebenes Programm war daher auf Plattform B nicht ohne Änderung des Quellcodes einsetzbar. Das ist kein großes Problem, wenn man Software intern für den eigenen Gebrauch entwickelt, wohl aber für einen Softwareanbieter, der seine Software auf vielen Plattformen installieren möchte. Der Einsatz von Generatoren und Makros in Delta ADS zur Bewältigung der plattformspezifischen Aspekte der Implementierung bedeutete, dass ein Programm für viele verschiedene Zielplattformen in einem einzigen Quellcodeobjekt gewartet werden konnte.
Die Plattformunabhängigkeit kam nicht nur Softwareanbietern zugute, sondern nach einiger Zeit stellten viele Delta ADS-Anwender fest, dass diese Möglichkeit auch eine Plattformmigration erleichterte. Die Tatsache, dass eine bestehende Anwendung bei Verwendung von Delta ADS problemlos auf eine neue Plattform migriert werden konnte, ist ein wichtiger Grund dafür, dass viele Installationen noch immer aktiv genutzt werden - manche seit über 40 Jahren - und dass Delta ADS auch nach 50 Jahren noch immer lebendig und aktiv ist.
„Es freut mich, dass nach 50 Jahren Delta ADS noch immer erfolgreich
für die Entwicklung großer und komplexer Anwendungen oder deren Migration im Einsatz ist.“
Dr. Reinhold Thurner, der „Vater von Delta ADS“
Die Zukunft - und darüber hinaus
Wie Delta DETAB bleibt Delta ADS für COBOL und PL/I Teil unseres Produktportfolios. Im Laufe der Jahre wurden mit unserem Generatorsystem schätzungsweise mehr als 2 Milliarden Codezeilen generiert, eine Zahl, die jedes Jahr weiter wächst. Zunächst waren DETAB und Delta ADS nur für die Plattformen verfügbar, für die sie den Code generierten. Heute werden sie auch in moderne Entwicklungsumgebungen wie Eclipse oder Visual Studio integriert und können Cross-Plattform generieren.
Da die Vorteile dieses generativen Ansatzes in der Softwareentwicklung von unseren Kunden nach wie vor geschätzt werden, unterstützen wir sie weiterhin mit unseren Tools. Das aktuelle Release 6 von Delta ADS wird sicherlich nicht das letzte sein, denn wir werden auch weiterhin Lösungen für die Herausforderungen finden, die unsere Kunden in ihrem Softwareentwicklungsprozess erleben.
Historie
Artikel aus der Computerwoche vom 10.01.1975 - Delta-Autor Dr. Reinhold Thurner:
"Multifunktionales Generator-System für moderne Software-Technologie: Ein Superding für die Avantgarde"
Sprache: Deutsch - Version: MT11094.01
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Life starts at 40 something: Delta ADS wird 50 dieses Jahr
Die Software-Entwicklung blickt in die Zukunft, aber manchmal ist es gut, sich umzudrehen und zurückzublicken. Dabei stellten wir fest, dass die Grundlagen unserer Produkte vor fast einem halben Jahrhundert entstanden sind.
Weiterlesen...Quellen
1 Thurner R., "Entscheidungs-Tabellen: Aufbau-Anwendung-Programmierung", VDI- Taschenbuch T33, VDI Verlag, Düsseldorf, 1971.
2 Jeweils 100mal installiert:: Vorelle und Detab/GT | Computerwoche, 02.07.1976
3 Jackson, MA (1975), Principles of Program Design, Academic.
4 Multifunktionales Generator-System für moderne Software-Technologie: Ein Superding für die Avantgarde | Computerwoche, 10.10.1975
5 Dijkstra, Edsger W. (March 1968). "Letters to the editor: Go to statement considered harmful" (PDF). Communications of the ACM. 11 (3): 147–148. doi:10.1145/362929.362947. ISSN 0001-0782. S2CID 17469809.
p. 147, "The unbridled use of the go to statement has as an immediate consequence that it becomes terribly hard to find a meaningful set of coordinates in which to describe the process progress. ... The go to statement as it stands is just too primitive, it is too much an invitation to make a mess of one's program."



